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Der Plan: Ein Spotify für News

„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihr von deinen Plänen.“

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Herzlich Willkommen zur neuen Ausgabe von Mediapreneur.fm (Öffnet in neuem Fenster) - den Newsletter über die Pläne von Mediamakern – und was passiert ist, als diese Pläne auf die Realität getroffen sind.

Die heutige Ausgabe stammt aus der Feder von Swantje Dake, der Gründerin von unlock. Lesedauer: Rund 6 Minuten.

Bundling-App, Aggregator, Spotify for news – egal, wie man es nennt, es gab schon mehrere Anläufe für ein solches Produkt. Es gibt damit sehr viele gute Gründe, es zu lassen. Swantje Dake und ihr Co-Gründer Peter Hornik versuchen es dennoch. Die größte Hürde? Nicht die Verlage.

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„Warum gibt’s das nicht?“

Die Frage, mit der alles anfing. Mein Co-Gründer Peter Hornik und ich lernten uns im Frühjahr 2021 kennen. Er stellte mir die Fragen bei einem unserer ersten Dates. Wir waren beide nicht auf Job-Suche, sondern auf Partner-Suche. Ich war Chefredakteurin Digital, er begeisterter Leser mit mehreren Digital-Abos. Selbst unter Journalisten ist so eine Häufung selten. Fand ich super. Er weniger; denn er zahlte viel Geld und hatte zu wenig Zeit zum Lesen. Er hatte schon vor Jahren eine Lösung für sein Problem geskribbelt, inspiriert von Blendle. Als das nicht groß wurde, verschwanden seine Pläne in der Schublade.

Jahre später hatte ich viele Antworten auf seine Frage. Aus Verlagssicht. Peter hielt immer wieder dagegen, pochte auf die Kundensicht, zeigte auf die verschiedenen Versuche, Umfragen und Studien. „Es wird dieses Produkt irgendwann geben. Die Frage ist, wer es baut.“

Peter hat schon mehrere Unternehmen in seinem Leben gegründet, darunter auch eine E-Book-Plattform, und hat jahrelang als Geschäftsführer des Digital Innovation Hubs Düsseldorf/Rheinland hunderte Startups und Scaleups begleitet. Was soll also schon passieren?

Little did I know.

Stark verkürzt und romantisiert: Zwei Jahre nach Peters Frage kündigte ich meinen Job, ein Jahr später verließ ich meine Chefredakteurs- und Geschäftsführerinnen-Rolle. Im Frühjahr 2024 gründeten wir. Und dann passierte erstmal relativ wenig.

Ich dachte ernsthaft, ich habe alles bedacht, gelesen und bin vorbereitet. Ich hatte ja einen Plan. Ich bin sehr gut im Pläne machen. Es dauerte nur wenige Wochen, bis ich das Zitat von Startup-Guru Steve Blank verstand: „No business plan survives first contact with customers.“ Es braucht nicht mal Kundenkontakt. Den Kontakt mit der Realität überlebt so ein Plan nicht.

Nichts, aber auch wirklich gar nichts läuft seitdem nach Plan. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich das akzeptiert habe, dass ich mich im Flow total wohl fühle, dass es kein Sprint ist, sondern ein Marathon und dass das mir, als ehemalige Triathletin, ja gerade liegt. Was für ein Quatsch!

Was stimmt: Ich habe gelernt, dass mir vermeintliche Sicherheit wie Arbeitsvertrag, regelmäßiges Einkommen und 30 Tage Urlaub (inkl. ausreichend Geld für Reisen) nicht so sehr fehlen. Ich merke, dass mir Selbstständigkeit und Aufbau sehr viel mehr liegen, als die Arbeit in Strukturen.

Was auch stimmt: Manchmal glaube ich mir selbst nicht, wenn ich mantramäßig beim Anblick meiner Konten murmle: „Das ist jetzt halt nicht die Zeit für Vermögensaufbau, sondern eine Investition in dich.“

Was ich heute nicht weiß: Ob ich in drei Monaten oder drei Jahren denke, dass es jetzt reicht und wir ein weiterer gescheiterter Versuch auf dem Weg zum „Spotify for news“ sind.

Natürlich ist die Skepsis der Verlage zum Thema Bundling eine Hürde – und der Halbsatz im Teaser war aber mehr als ein Cliffhanger. Natürlich wäre es einfacher, wenn sie alle einfach „ja“ sagen würden und weniger Angst vor Kannibalisierung und Veränderung der Distributionswege hätten. Schließlich haben wir uns wirklich viele Gedanken gemacht und richtig gute Lösungen gefunden.

Aber diese Nuss war erwartbar; denn die Argumentation der Verlage kannte ich nach mehr als 20 Jahren zu gut – und ich wusste auch, wie lang und langwierig Entscheidungswege sind. Auch wenn sie noch viel mehr Schleifen und Loopings haben, als ich mir ausgemalt hatte. Zumal wir mit dem Plattform-Modell uns ein schwieriges Geschäftsmodell ausgesucht haben. Wenn wir die richtigen Inhalte haben, kommen die Nutzer nicht. Wenn die Nutzer nicht da sind, haben die Verlage kein Interesse. Wenn beides nicht da ist, finden Investoren den Case nicht spannend. Diese drei Säulen haben wir immer im Blick. Und in den vergangenen Wochen stand das Produkt im Vordergrund. Es ist also auch immer eine Entscheidung, worauf man derzeit keine Energie legt.

Die echten Hürden stellen sich mit einem fetten Grinsen überraschend in den Weg:

  • Unsere Marken-Anmeldung: Wort-Marke und Bild-Marke anmelden ist wichtig, aber reine Formsache. Unser Markenrechtsanwalt riet uns, unseren Namen zu überdenken und zeigte uns eine lange Liste mit Firmen, die klagen könnten. Wir blieben bei „unlock“. Keine der Firmen klagte, aber eine weitere, die nicht auf der Liste stand. Es dauerte mehr als eineinhalb Jahre, in denen sich unser Anwalt und der Anwalt einer portugiesischen Designbrand Briefe hin- und herschickten. Das kostet. Zeit und Geld. Ich wusste vorher nicht, dass Anwälte in 15-Minuten-Intervallen abrechnen.

  • „Medien sind nicht sexy.“ Sagte mir jemand ins Gesicht. Am liebsten hätte ich ihn gefragt, ob er weiß, wen er vor sich hat. Mehr als 20 Jahre Journalistin! Nicht sexy? Entschuldigung!!! Aber ich wollte sein Geld, und ich hatte Verständnis. Er ist Investor. Wer auf die Medienbranche schaut, kann durchaus den Schluss ziehen, dass die Branche unter Druck ist. Ein sichereres Investment sind derzeit Deep-Tech-Themen oder Drohnen-Startups. Medien-Gründungen sind kein Hype-Thema, aber ein wichtiger Baustein unserer Demokratie. Mit unlock wollen wir Journalismus zugänglicher machen, denn nur eine vielfältig informierte Gesellschaft ist eine stabile. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit – und es ist irgendwas zwischen erschreckend und heilsam, zu spüren, dass das nicht für alle so ist.

  • Okay, das Fundraising vor den ersten Umsätzen lief nicht wie geplant. Wir überlegten, wie wir es uns dennoch leisten können, die unlock-App zu bauen. Bislang haben wir unlock komplett selbst finanziert. Sowohl mein Co-Gründer als auch ich arbeiten als Berater in unseren Branchen, um Miete und Co zu finanzieren. Für die App brauchten wir einen anderen Plan. In Nordrhein-Westfalen, wo wir sitzen, gibt es ein Fördermittel, das von der EU und dem Land NRW finanziert wird. 70 Prozent einer Go-to-market-Maßnahme werden erstattet. Klang gut, wurde bewilligt. Was wir lernten: Wie viel Arbeit in Anträgen steckt, wie unverständlich Deutsch sein kann, wie umständlich Förderanträge sein können, wie viel man beachten muss und wie viel man falsch machen kann, ohne es auch nur zu ahnen. Eventuell wäre es Lebens- und Arbeitszeitschonender gewesen, wir hätte es komplett selbst finanziert.

An jedem dieser Punkte wäre ein Aufhören möglich, gar nachvollziehbar gewesen. Dann wären wir eins von bis zu 90 Prozent der Startups, die in den ersten drei Jahren aufhören. Statistisch gesehen der normale Weg. Man kann sagen: „Dann lassen wir es besser“ oder aber: „Lass uns zu den zehn Prozent gehören“.

Ob es klappt? Weiß niemand. Kein Investor. Kein Geschäftsführer, der mir sagt: „Das funktioniert nicht.“ Auch nicht mein Kopf, der immer mal wieder zweifelt.

Seit sechs Monaten gibt es die unlock-Website. Sieben Medienhäuser sind bereits Partner, mit zwei Dutzend weiteren führen wir Gespräche. Seit zehn Tagen gibt es eine App. Wir haben Fans und Unterstützer, die nach einem Abo fragen oder uns italienische Limo schicken.

Und es gibt viele Pläne. Und ein weiteres Zitat: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“ Sören Kierkegaard, zu früh geboren, um in Startup-Buzzwords zu sprechen, gibt mir an vielen Tagen Energie, wenn ich mal wieder eine Entscheidung treffe, von der ich noch nicht so richtig weiß, wohin sie mich führt.

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Zum Abschluss ein paar letzte Worte von mir (Sören):

Ich möchte an dieser Stelle (stellvertretend) Danke sagen liebe Swantje, dass du uns auf deine Reise mitgenommen und uns einen Blick unter die Motorhaube gewährt hast. 🙏🏼🙏🏼🙏🏼

Und auch ein paar Worte an dich liebe Lesende, bzw. lieber Lesender:

Du willst dir unlock mal anschauen? Hier geht’s zu Deinem persönlichen Newsfeed, mit Deinen Themen, Deinen Quellen, ohne Werbung: https://unlock-it.news/de (Öffnet in neuem Fenster)

Oder willst du mit unlock neue Zielgruppen und eine zusätzliche Monetarisierung erreichen? Dann meld dich unter swantje@unlock-it.news (Öffnet in neuem Fenster). Bis Jahresende sind noch fünf Slots für Medienhäuser, Journalist:innen und Verlage offen.

Frische Grüße
sendet dir
Sören

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Kategorie Magazin